Institut für Empirische Kulturwissenschaften und Europäische Ethnologie
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Forschung

  • Interessen

Stadtforschung, Ethnographie der Ethik, Finanzialisierung des Wohnens, freiwilliges Engagement/ karitative Praxis

  • Dissertationsprojekt seit Mai 2018

Eine Ethnographie von freiwilligem Engagement. Praktiken und Ethiken in Geflüchtetenhilfe und Nachbarschaftsfürsorge (Arbeitstitel)

Meine Dissertation entsteht im Rahmen der DFG-geförderten Forschergruppe „Urbane Ethiken“ an der LMU München, die sich mit ethischen Debatten in und um Städte(n) beschäftigt. Die interdisziplinäre Gruppe untersucht, wie Stadtbewohner_innen die normative Frage verhandeln, wie man gut in der Stadt bzw. urban leben soll. Das von mir bearbeitete Teilprojekt heißt „Helfen. Eine Praxeologie städtischer Wohltätigkeit“ und beschäftigt sich mit Unterstützungsbeziehungen, die zwischen freiwillig Engagierten und als bedürftig Deklarierten entstehen. Als Mitarbeiterin des Projekts wähle ich zwei Forschungsfelder in München kontrastierend aus: ein Patenprogramm für Geflüchtete sowie eine Einrichtung zur Nachbarschaftshilfe. Ich gehe mit Methoden der teilnehmenden Beobachtung und des qualitativen Interviews vor und frage danach, was Unterstützen in den jeweiligen Kontexten und Zusammenhängen umfasst: Welche Praktiken auf sind konstitutiv und welche Vorstellungen guter Stadtbürgerschaft und intakter Stadtgesellschaft werden dabei mit entworfen? Ich interessiere mich nicht nur für Motive und Narrative der Unterstützer_innen, ihre politischen Haltungen, biographischen Situationen und ihre Bezüge zur Stadt, sondern untersuche diese Aspekte auch mit Blick auf diejenigen, die Hilfe suchen, in Anspruch nehmen oder auch modifizieren. Wie gestalten die beteiligten Akteur_innen Unterstützung vor dem Hintergrund einer zunächst auch durch Hierarchien gekennzeichneten Zuwendung zueinander? Wie verbinden sie dabei gegenwärtige (welt-)politische Entwicklungen und persönliche Positionierungen? Wie werden also über Unterstützung Subjektpositionen erschaffen und diese wiederum in alltäglichen Praxen inkorporiert?
Ich nähere mich meinem Material unter Einbezug von Theorien der kulturwissenschaftlichen Stadtforschung und anthropologischen Ethik-Konzepten (vgl. Michel Lambek, Didier Fassin, Veena Das) an. Zudem beschäftige ich mich mit ethnographischen Arbeiten zu Voluntarismus, Fürsorge/Care und Verantwortlichkeit in spezifischen sozialen und politischen Kontexten (Andrea Muehlebach, Catherine Trundle und Susanna Trnka sowie Omri Elisha). Ziel meiner Forschung ist es, den Zusammenhang zwischen ethischen Imaginationen und Reflexionen mit materialisierten und körperlichen Alltagspraxen nachzuvollziehen.