Institut für Volkskunde/ Europäische Ethnologie
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Vanda Melo und Olivia Reckmann: Frauen in der Münchner Integrationspolitik: Zum schwierigen Verhältnis von Gender- und Ethnizitätskonzepte

Gender ist zu einem Modebegriff avanciert, der in keinem Programm mehr fehlen darf: Doch was heißt das für die integrative Arbeit in ihrer praktischen Umsetzung?  Migrierende Frauen sind in der Politik so wie in der Migrations- und Geschlechterforschung lange Zeit lediglich als ‚Anhängsel’ oder ‚Folgeerscheinung‘ männlicher Migration betrachtet worden. Gender als eine soziale Kategorie begreifend, die im Verhältnis zu anderen Kategorien sozialer Positionierung und Zuschreibung gedacht werden muss, stützen wir uns im Folgenden auf eine konstruktivistische Definition des Begriffes, die mit der Unterscheidung von ‚sex‘ und ‚gender‘ die Naturalisierung der Geschlechterdifferenz als sozialen Mechanismus versteht und analysiert und untersuchen die Münchner integrationspolitische Landschaft und die innerhalb dieser von verschiedenen Akteuren geführten Diskurse durch Experteninterviews sowie teilnehmende Beobachtung. Den Ausgangspunkt der Studie bildet das im Januar 2008 einstimmig vom Stadtrat angenommene Integrationskonzept der Landeshauptstadt München. Wir bewegen uns somit im Feld einer intersektionellen Policy-Forschung, die durch eine kulturtheoretische Perspektive die Umstülpung des Bildes moderner Politik anstrebt, um jene Machtstrukturen des Politischen bewusst zu machen, die mehrheitlich als selbstverständlich akzeptiert werden. Dabei geht es darum, die oftmals imaginierte Neutralität von Policies als Konzepte und Instrumente moderner Gesellschaftsorganisation zu dekonstruieren (vgl. Wright/Shore 1997: 6), um dahinter liegende Interessen und Machtstrukturen offen legen zu können.So beleuchten wir die strukturelle und ideelle Reproduktion von Herrschaftsmustern seitens Teilen der Stadtverwaltung durch die Hervorhebung des Geschlechts als „Masterkategorie“ gegenüber eines intersektionellen Ansatzes, der sich einem System der Zweigeschlechtlichkeit als patriarchalem Unterdrückungsmechanismus widersetzt und die Differenzen zwischen Frauen und andere Machtstrukturen mitdenkt. Zudem zeichnen sich in der städtischen Integrationspraxis erhebliche rechtliche sowie strukturell-institutionelle Machtasymmetrien ab. Doch auch die meist gouvernementalen Organisationsansätze seitens migrantischer Verbände sind nicht unproblematisch und greifen oftmals zu kurz.

Vita Olivia Reckmann und Vanda Melo:

Olivia Cécile Reckmann: Seit 2003 Studium der Europäischen Ethnologie, Politik- und Rechtswissenschaft in Mainz, Frankfurt und München. Schwerpunkte bilden die Gender-, Migrationsforschung sowie die Auseinandersetzung mit ihren menschenrechtlichen Aspekten.
Vanda Melo: 2004-2009 Studium der Europäischen Ethnologie, Komparatistik und Slawistik in München. Gender- und Migrationsforschung, Minderheiten in Osteuropa sowie Postsozialismusforschung bilden die Schwerpunkte.